IHF-Handballregeln

Veröffentlicht in Schiedsrichter

Beitragsseiten

 

Erläuterung 2

Time-out (2:8)

Abgesehen von den in Regel 2:8 beschriebenen Situationen, bei denen ein
Time-out verbindlich ist, wird von den Schiedsrichtern erwartet, dass sie ihr
Urteilsvermögen bezüglich der Notwendigkeit eines Time-out auch in ande-
ren Situationen walten lassen. Einige typische Situationen, bei denen ein
Time-out nicht verbindlich ist, aber unter normalen Umständen dennoch
gewährt wird, sind:

a) äußere Einflüsse, z.B. muss die Spielfläche gewischt werden.
b) ein Spieler scheint verletzt.
c) eine Mannschaft spielt offenkundig auf Zeit, verzögert z.B. die Ausführung eines formellen Wurfs, ein Spieler wirft den Ball weg oder gibt ihn nicht frei.

d) der Ball berührt die Decke oder eine über der Spielfläche befestigte Vorrichtung (11:1), prallt ab und landet dadurch weit von der Stelle des fälligen Einwurfs entfernt, was zu ungewöhnlicher Verzögerung führt.

e) Wechsel eines Feldspielers mit einem Torwart zur Ausführung des
Abwurfs.

Hinsichtlich der Notwendigkeit eines Time-outs in diesen und anderen
Situationen sollten die Schiedsrichter vor allem berücksichtigen, ob eine
Spielunterbrechung ohne Time-out einen ungerechtfertigten Nachteil für eine
der Mannschaften entstehen lassen würde. Wenn z.B. eine Mannschaft kurz
vor Spielende mit klarem Vorsprung führt, ist es vielleicht nicht erforderlich,
für eine kurze Unterbrechung zum Wischen der Spielfläche Time-out zu
geben. Sicherlich keinen Anlass für ein Time-out gibt es, wenn eine
Mannschaft, die in Rückstand liegt, selbst das Spiel verzögert.


Ein wichtiges Kriterium für die Frage “Time-out oder nicht?” ist die erwarte-
te Dauer der Unterbrechung. Bei Verletzung ist sie häufig schwer schätzbar,
deswegen kann es sicherer sein, Time-out zu geben. Umgekehrt sollten die
Schiedsrichter nicht zu schnell Time-out gewähren, nur weil der Ball die
Spielfläche verlassen hat. Oft ist er nämlich umgehend zurück. Falls nicht,
sollten die Schiedsrichter sich darauf konzentrieren, rasch einen Reserveball
ins Spiel zu bringen (3:4), um ein Time-out zu vermeiden.


Das bei 7-m-Entscheidungen früher verbindliche Time-out wurde gestrichen.
Entsprechend den obigen Grundsätzen liegt es jedoch in einigen
Situationen im Ermessen der Schiedsrichter auf Time-out zu entscheiden,
etwa wenn eine der Mannschaften die Ausführung deutlich verzögert, z.B.
durch Auswechseln des Torwarts oder des Werfers.

 


Erläuterung 3

Team-Time-out (2:10)

Jede Mannschaft hat Anspruch auf ein Team-Time-out von je einer Minute
pro Halbzeit der regulären Spielzeit (aber nicht während Verlängerungen).


Ein Mannschaftsoffizieller der Mannschaft, die ein Team-Time-out beantra-
gen will, muss eine “Grüne Karte” vor dem Zeitnehmer auf den Tisch legen.
Es wird empfohlen, dass die Grüne Karte ein Format von etwa 15 x 20 cm
hat und auf jeder Seite ein großes “T” aufweist.


Ein Team-Time-out kann nur beantragen, wer in Ballbesitz ist (Ball im Spiel
oder bei Spielunterbrechung). Unter der Voraussetzung, dass der
Antragsteller den Ballbesitz nicht verliert, bevor der Zeitnehmer pfeifen
kann (in diesem Falle wäre die Grüne Karte der Mannschaft zurückzu-
geben), wird der Mannschaft das Team-Time-out umgehend gewährt.


Der Zeitnehmer unterbricht dann das Spiel durch einen Pfiff, und
stoppt sofort die Uhr (2:9) Er gibt das Handzeichen für Time-out (Nr.
15) und deutet mit gestrecktem Arm zur beantragenden Mannschaft.
Die Grüne Karte wird auf dem Tisch, und zwar auf der Seite der
beantragenden Mannschaft, aufgestellt und bleibt dort für die Dauer
des Team-Time-outs.


Die Schiedsrichter bestätigen das Team-Time-out woraufhin der
Zeitnehmer eine separate Uhr zur Kontrolle des Team-Time-outs
betätigt. Der Sekretär trägt die Zeit im Spielprotokoll bei der
beantragenden Mannschaft unter der betreffenden Halbzeit ein.


Während des Team-Time-outs halten sich die Spieler und die
Mannschaftsoffiziellen in Höhe ihrer Auswechselräume auf, entweder
auf der Spielfläche oder im Auswechselraum. Die Schiedsrichter
bleiben in der Mitte der Spielfläche, einer von ihnen sollte sich aber
zwecks Abstimmung kurz zum Zeitnehmertisch begeben.


Im Falle von Strafen gemäß Regel 16 zählt das Team Time-out zur
Spielzeit (16:10), sodass unsportliches Verhalten und andere
Vergehen entsprechend geahndet werden. Dabei ist es
bedeutungslos, ob sich der betreffende Spieler/Offizielle auf oder
außerhalb der Spielfläche befindet. Entsprechend können eine
Verwarnung, eine Hinausstellung oder Disqualifikation gemäß
Regeln 16:1-3 und 16:6-9 für unsportliches Verhalten (8:7-10) oder
Vergehen die unter Regel 8:6b fallen, gegeben werden.

Nach 50 Sekunden zeigt der Zeitnehmer durch ein akustisches
Signal an, dass das Spiel in zehn Sekunden fortzusetzen ist.

Die Mannschaften sind gehalten, bei Ablauf des Team-Time-outs zur
Wiederaufnahme des Spiels bereit zu sein. Das Spiel wird entweder
mit dem Wurf wiederaufgenommen, welcher der Situation bei
Gewährung des Team-Time-outs entspricht, oder - wenn der Ball im
Spiel war - mit einem Freiwurf für die beantragende Mannschaft an
der Stelle, an der sich der Ball bei der Unterbrechung befand.
Der Zeitnehmer setzt die Spielzeituhr mit dem Anpfiff des
Schiedsrichters wieder in Gang.